Die Elo-Zahl ist das international wichtigste Wertungssystem im Turnierschach. Sie beschreibt die Spielstärke einer Spielerin oder eines Spielers statistisch im Vergleich zu anderen Spieler:innen derselben Wertungsliste. Je höher die Elo-Zahl, desto stärker wird eine Person in diesem System eingeschätzt.
Wichtig ist dabei: Eine Elo-Zahl ist keine absolute Messung wie eine Zeit oder eine Entfernung, sondern eine relative Wertungszahl innerhalb eines bestimmten Spielerpools. FIDE-Elo, DWZ und Online-Ratings sind deshalb nicht einfach gleichzusetzen. Außerdem veröffentlicht die FIDE seit der aktuellen Ratingordnung nur noch Ratings ab 1400; niedrigere Spielstärken können zwar existieren, erscheinen aber nicht als veröffentlichte FIDE-Elo-Zahl.
Doch was bedeutet eine bestimmte Elo-Zahl eigentlich genau? Wie wird sie berechnet – und ab wann gilt ein:e Spieler:in als stark?
In diesem Artikel erfährst du, wie das Elo-System funktioniert, wie sich Elo-Punkte nach einer Partie verändern und wie sich verschiedene Spielstärken grob einordnen lassen. Außerdem zeigen Beispiele, wie die Berechnung in der Praxis funktioniert und warum sich Elo-Werte zwischen Turnierschach und Online-Plattformen unterscheiden können.
So bekommst du einen verständlichen Überblick darüber, was hinter der Elo-Zahl im Schach wirklich steckt.
Elo-Zahl im Schach einfach erklärt
Was ist eine Elo-Zahl? – Die Elo-Zahl ist eine Wertungszahl im Schach, die die Spielstärke einer Spielerin oder eines Spielers statistisch beschreibt. Je höher die Elo-Zahl, desto stärker gilt eine Person im Vergleich zu anderen Spieler:innen derselben Wertungsliste. Nach einer gewerteten Partie verändert sich die Elo-Zahl abhängig davon, ob das erzielte Ergebnis besser oder schlechter war als die zuvor berechnete Punkteerwartung.
Gewinnt ein:e Spieler:in gegen deutlich stärkere Gegner:innen, steigt die Elo-Zahl stärker als bei einem Sieg gegen schwächere Gegner:innen. Umgekehrt kostet eine Niederlage gegen schwächere Gegner:innen mehr Punkte als eine Niederlage gegen sehr starke Gegner:innen.
Spielt eine Person ohne veröffentlichte FIDE-Elo gegen bereits gewertete Gegner:innen, können diese Partien für eine erste Elo-Zahl herangezogen werden. Die FIDE veröffentlicht eine neue Wertungszahl aber erst, wenn genügend gewertete Partien gegen Elo-Gegner:innen vorliegen und der berechnete Wert mindestens 1400 beträgt. Die erste veröffentlichte Elo-Zahl ist also keine frei gewählte Startzahl, sondern das Ergebnis der gespielten Partien und der FIDE-Berechnungsregeln.
Warum braucht man sie? – Im Turnierschach wird die Elo-Zahl vom Weltschachverband FIDE berechnet. Sie dient weltweit dazu, Spieler:innen miteinander zu vergleichen und Ranglisten zu erstellen.
Die Elo-Verteilung
Eine typische Elo-Verteilung einer Vielzahl von Spieler:innen sieht beispielsweise so aus:

Die Verteilung von Elo-Zahlen hängt stark davon ab, welchen Spielerpool man betrachtet. Eine FIDE-Ratingliste sieht anders aus als eine DWZ-Liste oder ein Online-Server, weil jeweils andere Spieler:innen, andere Turnierformen und andere Wertungsregeln zugrunde liegen.
Im FIDE-System beginnt die veröffentlichte Ratingliste aktuell bei 1400. Deshalb darf man aus einer FIDE-Verteilung nicht schließen, dass es darunter keine schwächeren Spieler:innen gäbe. Sie erscheinen nur nicht mit einer veröffentlichten FIDE-Elo-Zahl. Mit 2500 Elo bewegt man sich bereits im Bereich der Großmeister-Anforderung, mit 2700+ in der absoluten Weltspitze; Werte über 2800 wurden nur von sehr wenigen Ausnahmespieler:innen erreicht.
Schachengines wie Stockfish erreichen auf speziellen Computer-Ranglisten Werte um oder über 3600. Diese Engine-Ratings sind aber nicht direkt mit menschlicher FIDE-Elo vergleichbar, weil sie in einem eigenen Testumfeld mit bestimmter Hardware, Bedenkzeit, Eröffnungsbüchern und Engine-Gegnern entstehen.
Wie entwickelt sich die Elo-Zahl
Die Elo-Zahl hat kein festes theoretisches Maximum. In der Praxis wird es an der Spitze aber immer schwieriger, weitere Punkte zu gewinnen, weil Spitzenspieler:innen fast nur noch gegen sehr starke Gegner:innen antreten und Remispartien häufig sind. Wer deutlich favorisiert ist, gewinnt bei einem Sieg nur wenige Punkte, verliert bei einem Remis oder einer Niederlage aber vergleichsweise mehr.
Engine-Ratings wie die von Stockfish sind gesondert zu betrachten. Sie zeigen eindrucksvoll, wie stark heutige Schachprogramme in ihrem eigenen Testumfeld sind, sollten aber nicht als direkte Fortsetzung der menschlichen FIDE-Skala gelesen werden. Engines sind dennoch vergleichsweise viele Spielklassen besser als der Mensch. Es scheint, als ob wir geradezu außerirdische Intelligenz geschaffen hätten.
Wie berechnet man die Elo-Zahl?
Die mathematische Version der Elo-Zahl kann man entsprechend unter diesem Link nachlesen. Das Grundprinzip ist so, dass bei einer Begegnung zweier Spieler:innen aufgrund ihrer Elo-Zahlen mit dem Elo-System ein Erwartungswert für deren Spielergebnis angegeben werden kann. Dieser Erwartungswert hängt dabei ab von der Differenz der Elo-Zahlen beider Spieler:innen.
Außerdem ist das Elo-System so konzipiert, dass die Summe beider Erwartungswerte 1 ist. Also ist hier ESpieler 1 + ESpieler 2 = 1. Klar, es gibt ja kurzum nur einen zu vergebenden Punkt. Nun fließt weiterhin das tatsächliche Spielergebnis in die Berechnung ein. Und zwar so, dass ein:e Spieler:in, die:der gegen eine:n stärkere:n Spieler:in gewinnt, deutlich Punkte hinzugewinnt. Entsprechend verliert ein:e stärkere:r Spieler:in, die:der gegen eine:n schwächere:n Spieler:in verliert, deutlich Punkte. Bei Remis gleichstarker Spieler:innen hingegen tut sich nicht viel.
Für die Praxis hat Ingram Braun auf seiner Webseite ein schönes Online-Tool zur Verfügung gestellt, mit dem man die Veränderung seiner Elozahl im Turnier berechnen kann.
Wie wird die Elo genau berechnet? (Beispiel)
Die genaue Berechnung der Elo-Zahl basiert auf einer erwarteten Punkteausbeute. Dabei wird nicht einfach die reine Gewinnwahrscheinlichkeit berechnet, sondern der erwartete Score aus der Partie: Sieg zählt 1 Punkt, Remis 0,5 Punkte, Niederlage 0 Punkte. Je größer der Unterschied zwischen den Elo-Zahlen zweier Spieler:innen ist, desto höher ist die erwartete Punkteausbeute der stärker bewerteten Person.
Bei einer Differenz von rund 200 Elo-Punkten liegt die Punkteerwartung der stärkeren Person ungefähr bei 0,75 bis 0,76 Punkten pro Partie. Das kann zum Beispiel durch viele Siege, aber auch durch eine Mischung aus Siegen, Remis und Niederlagen zustande kommen.
Zwei Spieler:innen
Ein vereinfachtes Beispiel:
Spieler:in A hat eine Elo-Zahl von 1500.
Spieler:in B hat eine Elo-Zahl von 1700.
Da Spieler:in B eine höhere Wertungszahl besitzt, gilt sie statistisch als Favorit:in. Bei 200 Punkten Unterschied liegt die erwartete Punkteausbeute einer durchschnittlichen Partie ungefähr bei 0,76 Punkten für B und 0,24 Punkten für A. Das bedeutet nicht zwingend, dass B genau 76 % der Partien gewinnt; Remispartien sind in dieser Erwartung bereits enthalten. (Diese Gewinnwahrscheinlichkeiten lassen sich gerade aus den Elo-Zahlen berechnen. Genau deshalb ist das Elo System auf seine Art konzipiert.)
Ein Wettkampfausgang
Nun gibt es drei mögliche Ergebnisse:
1. Die:Der stärkere Spieler:in B gewinnt
Das Ergebnis entspricht der Erwartung. Die Elo-Zahl verändert sich nur geringfügig. (A etwa -5 Punkte, B etwa +5 Punkte)
2. Die Partie endet remis
Die schwächere Spieler:in A hat besser abgeschnitten als erwartet. Deshalb gewinnt sie einige Elo-Punkte hinzu, während die stärkere Spieler:in B Punkte verliert. (A etwa +5 Punkte, B etwa -5 Punkte)
3. Die:Der schwächere Spieler:in A gewinnt
Das Ergebnis widerspricht der statistischen Erwartung. In diesem Fall erhält die:der Gewinner:in A deutlich mehr Elo-Punkte und die:der Verlierer:in B verliert deutlich mehr. (A etwa +15 Punkte, B etwa -15 Punkte)
Vertiefung
Wie stark sich die Elo-Zahl verändert, hängt zusätzlich von einem sogenannten K-Faktor ab. Dieser bestimmt, wie empfindlich das Rating auf neue Partien reagiert. Bei neuen Spieler:innen oder jungen Talenten kann der K-Faktor höher sein, damit sich die Spielstärke schneller anpasst. Bei erfahrenen Turnierspieler:innen verändert sich die Elo-Zahl dagegen meist langsamer.
Das genaue mathematische Verfahren ist indessen hier in Wikipedia beschrieben. Wer aber richtig tief ins Thema einsteigen will, dem sei das Buch „Rating of Chessplayers, Past and Present“ von Arpad Elo im Original ans Herz gelegt.
Tool im Netz
Wenn du bereits eine veröffentlichte Elo-Zahl hast und gegen mehrere Elo-Gegner:innen gespielt hast, kannst du mit einem Elo-Rechner (Wenn du noch keine eigene, alte Wertungszahl hast, trägst du oben zunächst 1500 als Mittelwert ein. Der Button „Opponents“, über den du mehrere Gegner hinzufügen kannst, ist dort etwas versteckt.) ungefähr nachvollziehen, wie sich deine Wertung verändert. Entscheidend sind dabei deine alte Elo-Zahl, die Wertungen der Gegner:innen, deine Ergebnisse und der für dich geltende K-Faktor.
Wenn du noch keine veröffentlichte FIDE-Elo hast, solltest du 1500 nicht als offizielle Startzahl verstehen. Die FIDE berechnet eine erste veröffentlichte Wertung nach eigenen Regeln aus den Ergebnissen gegen gewertete Gegner:innen. Seit der aktuellen Ratingordnung muss diese erste veröffentlichte Zahl mindestens 1400 betragen.
Was heißt das für ein erwartetes Spielergebnis?
Spielt nun ein:e Spieler:in mit Elo/DWZ RS gegen ein:e Gegner:in mit Elo/DWZ RG so gilt die Formel
für das erwartete Ergebnis E aus Sicht der:des Spieler:in. So ist nämlich gerade das Elo/DWZ-System mathematisch konstruiert. Was das bedeutet kannst Du mit dem folgenden Rechner ausprobieren. Gib einfach zwei Wertungszahlen für die Kontrahent:innen ein:
Was ist eine gute Elo-Zahl im Schach?
Viele Spieler:innen fragen sich irgendwann: Welche Elo-Zahl ist eigentlich gut? – Eine gute Elo-Zahl hängt stark davon ab, mit welchem Umfeld man sich vergleicht. Für Hobbyspieler:innen kann schon eine vierstellige Wertungszahl sehr ordentlich sein; im organisierten Turnierschach gelten andere Maßstäbe.
Wichtig ist außerdem: Die folgenden Bereiche sind nur grobe Orientierung. Unterhalb von 1400 handelt es sich aktuell nicht um veröffentlichte FIDE-Elo-Zahlen, sondern eher um allgemeine Spielstärke-Einordnungen, DWZ-Bereiche oder Online-Ratings.
Zur Orientierung lassen sich laut FIDE (Welt-Schachverband) typische Bereiche unterscheiden:
| Elo-Zahl / Bereich | Offene FIDE-Titel und Spielstärke | Frauentitel der FIDE |
|---|---|---|
| ≥ 2700 | Weltklasse | |
| ≥ 2500 | Großmeister:in (GM) – zusätzlich sind GM-Normen erforderlich | |
| 2400–2499 | Internationale:r Meister:in (IM) – zusätzlich sind IM-Normen erforderlich | |
| 2300–2399 | FIDE-Meister:in (FM) | Großmeisterin der Frauen (WGM) – zusätzlich sind WGM-Normen erforderlich |
| 2200–2299 | Candidate Master / Meisteranwärter:in (CM) | Internationale Meisterin der Frauen (WIM) – zusätzlich sind WIM-Normen erforderlich |
| 2100–2199 | starke:r Turnierspieler:in | FIDE-Meisterin der Frauen (WFM) |
| 2000–2099 | starke:r Turnierspieler:in / Expert:in | Candidate Master der Frauen / Meisteranwärterin der Frauen (WCM) |
| 1800–1999 | sehr gute:r Vereinsspieler:in | |
| 1600–1799 | solide bis starke:r Vereinsspieler:in | |
| 1400–1599 | unterer veröffentlichter FIDE-Bereich / solide Grundlagen | |
| 1200–1399 | Hobbyspieler:in / Vereinseinstieg – aktuell unterhalb veröffentlichter FIDE-Elo | |
| 1000–1199 | Gelegenheitsspieler:in – keine veröffentlichte FIDE-Elo | |
| < 1000 | Anfänger:in – keine veröffentlichte FIDE-Elo |
Bei FIDE-Titeln muss man genau unterscheiden: CM und FM sind auf dem üblichen Weg ratingbasierte Titel. IM, GM sowie WIM und WGM erfordern neben der Ratinggrenze zusätzlich Titelnormen. Für den GM-Titel sind 2500, für den IM-Titel 2400, für WGM 2300 und für WIM 2200 als Ratinganforderung vorgesehen, jeweils im Zusammenspiel mit den weiteren Titelbedingungen.
Die Aufteilung in Männer und Frauen bei den Titeln der Meister:innen ist historisch bedingt und entbehrt nicht einer nicht unbeträchtlichen Portion Sexismus. Man muss sich als Schachspieler für diese offizielle FIDE-Einteilung schämen. Es sollte selbstverständlich sein, dass Frauen kein bisschen weniger gut Schach spielen können als Männer. Es sind am Ende rein statistische Effekte wie ich auch hier ausgeführt habe.
Beispiele zur Einordnung
Die nackte Elo-Zahl sagt zunächst nur wenig aus, wenn man keine Vergleichswerte hat. Deshalb hilft es, typische Bereiche einzuordnen. So lässt sich besser einschätzen, wie stark ein:e Spieler:in ungefähr ist.
Eine Elo-Zahl unter 1000 haben meist absolute Anfänger:innen, die gerade erst beginnen, regelmäßig Schach zu spielen. In diesem Bereich werden grundlegende Regeln, einfache Taktiken und typische Mattbilder gelernt.
Im Bereich von 1000 bis 1400 Elo befinden sich viele Hobbyspieler:innen. Sie kennen bereits grundlegende taktische Motive wie Gabeln oder Fesselungen und haben erste Erfahrungen mit Eröffnungen gesammelt.
Eine Elo zwischen 1400 und 1800 entspricht häufig soliden Vereinsspieler:innen. Hier wird bereits deutlich strukturierter gespielt: Spieler:innen planen langfristiger, verstehen strategische Konzepte und vermeiden grobe Fehler häufiger.
Ab etwa 1800 bis 2000 Elo spricht man von sehr starken Vereinsspieler:innen. Partien auf diesem Niveau sind oft von tiefem Positionsverständnis geprägt, und taktische Fehler kommen deutlich seltener vor.
Ab 2000 Elo beginnt der Bereich der Expert:innen und Titelanwärter:innen. Viele Turnierspieler:innen auf diesem Niveau trainieren regelmäßig und beschäftigen sich intensiv mit Theorie.
Bei etwa 2200 Elo beginnt der Bereich, in dem der offene FIDE-Titel Candidate Master (CM) erreichbar wird. Der FIDE-Meister-Titel (FM) liegt üblicherweise bei 2300 Elo. Für Internationale Meister:innen (IM) und Großmeister:innen (GM) reicht die Zahl allein dagegen nicht aus: Neben 2400 Elo für IM beziehungsweise 2500 Elo für GM sind zusätzlich Titelnormen aus entsprechend besetzten Turnieren erforderlich.
Zur Einordnung: Die besten Spieler:innen der Welt erreichen Elo-Zahlen von über 2700, und einzelne Ausnahmeerscheinungen haben sogar über 2800 Elo erreicht.
Wie lässt sich die Elo-Zahl verbessern?
Viele Spieler:innen fragen sich, wie sie ihre Elo-Zahl gezielt steigern können. Eine der effektivsten Methoden ist überraschend einfach: regelmäßiges Taktiktraining.
Gerade auf Amateur- und Vereinsebene werden sehr viele Partien durch taktische Fehler entschieden. Dazu gehören Motive wie Gabeln, Fesselungen, Abzüge oder einfache Mattkombinationen. Wer solche Motive schnell erkennt, gewinnt öfter Partien als andere Spieler:innen, die die jeweilige Taktik übersehen würden.
Deshalb kann bereits konsequentes Taktiktraining einen großen Unterschied machen. Wer täglich einige Taktikaufgaben löst, trainiert das eigene Mustererkennen und verbessert die Fähigkeit, Chancen in der Partie sofort zu sehen. Viele Trainer:innen berichten, dass Spieler:innen allein durch regelmäßiges Taktiktraining ihre Spielstärke deutlich steigern können. Besonders im Bereich zwischen 1000 und 1800 Elo sind Verbesserungen von etwa 100 Elo-Punkten oder mehr durchaus realistisch, wenn Taktik systematisch geübt wird.
Natürlich gehören auch Strategie, Endspiele und Eröffnungsvorbereitung zum Schachtraining. Für viele Spieler:innen ist jedoch das Erkennen taktischer Motive der schnellste Weg, um ihre Elo-Zahl spürbar zu verbessern.
Unterschied Elo-Zahl und DWZ
Neben der internationalen Elo-Zahl existiert in Deutschland noch ein weiteres Bewertungssystem: die DWZ (Deutsche Wertungszahl).
Die DWZ wird vom Deutschen Schachbund verwendet und dient vor allem zur Bewertung von Spieler:innen in nationalen Turnieren. Sie funktioniert ähnlich wie das Elo-System, weist aber einige Unterschiede in der Berechnung auf.
Der wichtigste Unterschied liegt darin, dass die DWZ stärker auf einzelne Spieler:innen angepasst wird. Faktoren wie Alter und Anzahl bereits gespielter Partien beeinflussen die Berechnung stärker als im klassischen Elo-System.
Für viele Spieler:innen existieren daher zwei Wertungszahlen gleichzeitig:
- eine DWZ für nationale Turniere in Deutschland
- eine Elo-Zahl für internationale Turniere der FIDE
Oft liegen beide Werte relativ nahe beieinander, können sich aber im Detail unterscheiden. Besonders bei jungen Spieler:innen kann die DWZ schneller steigen oder fallen als die Elo-Zahl. Da DWZ und FIDE-Elo zuletzt deutlich auseinanderliefen, stellt der Deutsche Schachbund das DWZ-System im Sommer 2026 um. Das neue Wertungsportal soll ab dem 22.07.2026 für DWZ-Turniere genutzt werden. Mit der Umstellung ist auch eine einmalige Anpassung vieler DWZ-Zahlen vorgesehen: Werte unter 1000 werden um 400 Punkte angehoben, Werte über 1000 nach der Formel 0,64 × alte DWZ + 760; oberhalb von 2110 erfolgt keine automatische Anpassung.
Für die internationale Vergleichbarkeit gilt jedoch vor allem die Elo-Zahl, da sie weltweit einheitlich verwendet wird.
Geschichte des Elo-Systems
Das Elo-System wurde nach dem Physiker, Schachspieler und Statistiker Arpad Elo benannt. Elo wurde 1903 geboren und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie sich die Spielstärke von Schachspieler:innen möglichst objektiv messen lässt. Vor seiner Arbeit existierten zwar bereits Bewertungssysteme, sie waren jedoch oft ungenau oder statistisch wenig fundiert.
Arpad Elo entwickelte deshalb ein mathematisches Modell, das auf Wahrscheinlichkeiten basiert. Die Grundidee: Wenn zwei Spieler:innen gegeneinander antreten, lässt sich anhand ihrer bisherigen Ergebnisse eine Erwartungswahrscheinlichkeit für den Ausgang der Partie berechnen. Gewinnt ein:e Spieler:in häufiger als statistisch erwartet, steigt ihre:seine Elo-Zahl. Fällt das Ergebnis schlechter aus als erwartet, sinkt sie entsprechend.
Die FIDE (Weltschachverband) führte das Elo-System Anfang der 1970er Jahre offiziell ein. Seitdem ist es zum weltweit wichtigsten Bewertungssystem im Schach geworden. Heute wird das Grundprinzip nicht nur im Schach verwendet. Auch viele andere Bereiche nutzen ähnliche Modelle, etwa:
- andere Brettspiele
- Online-Games
- Sportarten mit Ranglisten
Damit gehört das Elo-System zu den einflussreichsten Bewertungssystemen im Wettkampfspiel.
Die FIDE Elo eines Weltmeisters
Hier Magnus Carlsen (geb. 1990), der schon als Kind zur Weltelite im Schach gehörte.

Elo-Zahl: Online-Schachserver und abweichende Ratings
Wer regelmäßig online spielt, wird schnell feststellen, dass Plattformen wie Chess.com, Lichess oder andere Schachserver ebenfalls eigene Ratings anzeigen. Diese Zahlen werden oft ebenfalls als „Elo“ bezeichnet, entsprechen aber nicht exakt der offiziellen Elo-Zahl der FIDE.
Der Grund dafür ist auf den ersten Blick einfach: Online-Plattformen verwenden eigene Rating-Systeme, die nicht direkt mit der offiziellen FIDE-Elo vergleichbar sind. Lichess nutzt Glicko-2, Chess.com ein Glicko-System. Beide Systeme sind mit Elo verwandt, berücksichtigen aber zusätzlich die Unsicherheit einer Wertungszahl, also wie sicher das System die aktuelle Spielstärke einer Person einschätzt. Bei wenigen Partien oder längerer Inaktivität kann diese Unsicherheit höher sein; nach vielen aktuellen Partien wird die Wertung stabiler.
Deshalb sollte man Online-Ratings nicht einfach in FIDE-Elo oder DWZ umrechnen. Sie eignen sich vor allem dazu, die eigene Entwicklung innerhalb derselben Plattform, derselben Bedenkzeit und desselben Spielerpools zu verfolgen. Diese sind speziell auf schnelle Online-Partien und große Spielerzahlen optimiert. Deshalb kann es vorkommen, dass ein:e Spieler:in online eine deutlich andere Wertungszahl besitzt als im klassischen Turnierschach.
Ein Beispiel:
- Online-Rating: 1700
- FIDE-Elo: 1500
Solche Unterschiede sind normal, da verschiedene Faktoren eine Rolle spielen:
- Bedenkzeit (Blitz, Rapid oder klassisch)
- Anzahl gespielter Partien
- Stärke der Gegner:innen auf der jeweiligen Plattform
Online-Ratings eignen sich daher vor allem dazu, die eigene Entwicklung innerhalb einer Plattform zu verfolgen. Für internationale Turniere und offizielle Ranglisten bleibt jedoch die FIDE-Elo-Zahl maßgeblich.
Auf den zweiten Blick gibt es einiges mehr zum Vergleich von Wertungszahlen in verschiedenen Communities zu sagen. Wo würde ich als Spieler:in im anderen System mit meiner Spielstärke stehen? Dazu habe ich mir in diesem Beitrag ausführlicher Gedanken gemacht.
FAQ
Für Hobbyspieler:innen gilt bereits eine Elo zwischen 1600 und 1800 als solide Spielstärke.
Großmeister:innen besitzen meist eine Elo von mindestens 2500.
Nein. Ratings auf Plattformen wie Lichess oder Chess.com werden mit leicht anderen Berechnungssystemen erstellt.
Fazit
Die Elo-Zahl ist ein nützlicher statistischer Indikator für die Spielstärke von Schachspieler:innen. Sie erlaubt eine grobe Einschätzung, welche Punkteerwartung eine Person gegen eine andere Person mit bekannter Elo-Zahl hat. Sie ist aber keine absolute Messung der Spielstärke und auch keine Garantie für den Ausgang einer einzelnen Partie. Tagesform, Bedenkzeit, Eröffnungsvorbereitung, Turniersituation und psychologische Faktoren spielen weiterhin eine große Rolle.
Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Wertungssystemen: DWZ, FIDE-Elo, Lichess-Rating und Chess.com-Rating sind nicht dasselbe. Sie können ähnlich aussehen, entstehen aber in unterschiedlichen Spielerpools und teilweise mit unterschiedlichen Berechnungsverfahren. Letztlich ist die Zahl auch ein Stück weit tagesformabhängig. Schließlich sind wir Menschen und keine Maschinen. Durch stetiges Studium und Lernen von Schachwissen aber, etwa von Eröffnungen, Denkstrategien oder auch Taktiktraining, kann jede:r Spieler:in ihre:seine Elo-Zahl kontinuierlich verbessern. Als Faustregel sind hierbei übrigens 100 Elo-Punkte etwa eine Spielstärkeklasse Unterschied.
Mit schachlichen Grüßen, dein Sven






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