Angriff auf die Schach-Plattform-Ordnung – Die angekündigte Kooperation zwischen Lichess und Take Take Take wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Tatsächlich könnte sie sich als einer der wichtigsten strategischen Schritte im Online-Schach der letzten Jahre erweisen – mit Auswirkungen auf Plattformstruktur, Wettbewerb und die Art, wie Schach digital erlebt wird.
Was konkret vereinbart wurde
Kern der Kooperation ist die technische Integration: Take Take Take nutzt künftig die Infrastruktur von Lichess als Spielbasis. Partien werden auf den Servern von Lichess gespielt, während die Nutzeroberfläche und das Erlebnis über die App von Take Take Take laufen.
- Spielen über die Lichess-Infrastruktur
- Direkter Zugang zur bestehenden Spielerbasis
- Lichess bleibt weiterhin kostenlos und Open Source
Laut offizieller Ankündigung versteht Lichess die Partnerschaft explizit als Bestätigung seines offenen Modells: Statt geschlossene Systeme zu bauen, greifen neue Anbieter auf bestehende freie Infrastruktur zurück.
Quelle:
Lichess Blog – Cooperation Agreement
Die eigentliche Innovation: „Social Chess“
Take Take Take verfolgt einen anderen Ansatz als klassische Plattformen. Im Zentrum steht nicht nur das Spielen, sondern die soziale Einbettung des Spiels.
- Partien werden im Feed sichtbar
- Interaktion zwischen Spielern steht im Vordergrund
- Fortschritt wird öffentlich und nachvollziehbar
- Fokus auf Verbesserung statt reines Spielen
Das Konzept erinnert an Fitness-Plattformen wie Strava: Schach wird nicht mehr isoliert gespielt, sondern als sozialer Prozess dargestellt. Ergänzt wird das durch vereinfachte Analysefunktionen und Coaching-orientierte Features.
Quelle:
Take Take Take Blog
Strategischer Kontext: Wettbewerb mit Chess.com
Die Kooperation ist auch vor dem Hintergrund der Marktstruktur zu sehen. Chess.com dominiert aktuell große Teile des Online-Schachmarktes, insbesondere im Bereich Spielen und Lernen.
Mit der neuen Partnerschaft entsteht erstmals seit längerem ein ernstzunehmender Gegenentwurf:
- Lichess liefert die offene Infrastruktur
- Take Take Take baut das Produkt und die Nutzererfahrung
- Gemeinsam entsteht ein alternatives Ökosystem

Besonders bemerkenswert ist die Rolle von Magnus Carlsen, der als Mitgründer von Take Take Take fungiert, gleichzeitig aber weiterhin Verbindungen zur Chess.com-Welt hat. Diese Konstellation verdeutlicht die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung im Spitzenschach.
Warum Lichess diesen Schritt geht
Für Lichess ist die Öffnung gegenüber einem kommerziellen Partner ein ungewöhnlicher Schritt. Die Plattform war bislang strikt unabhängig und spendenfinanziert.
Die Kooperation bringt jedoch klare Vorteile:
- Erhöhte Reichweite
- Neue Nutzergruppen
- Stärkung des Open-Source-Ansatzes
Gleichzeitig bleibt ein Restrisiko: Teile der Community könnten die Nähe zu einem Startup kritisch sehen. Entscheidend wird sein, wie klar die Trennung zwischen Infrastruktur und Produkt gewahrt bleibt.
Marktanalyse: Plattform vs. Ökosystem
Die Kooperation deutet auf eine strukturelle Veränderung im Online-Schach hin. Statt einzelner Plattformen entsteht möglicherweise ein modular aufgebautes System:
- Lichess als technische Basis
- Take Take Take als Social- und UX-Layer
- Potenzial für weitere spezialisierte Anwendungen
Dieses Modell ist aus der Softwarewelt bekannt: Offene Infrastruktur ermöglicht Innovation auf Anwendungsebene. Übertragen auf Schach könnte das langfristig zu mehr Vielfalt führen, oder zu neuen Formen der Konzentration.
Einordnung: Warum diese Kooperation relevant ist
Drei Entwicklungen lassen sich klar erkennen:
- Entkopplung von Backend und Frontend: Spielen und Nutzererlebnis werden getrennt gedacht
- Plattformisierung: Offene Systeme werden zur Grundlage für Innovation
- Social Layer: Community-Funktionen werden zum zentralen Wachstumstreiber
Fazit
Die Zusammenarbeit zwischen Lichess und Take Take Take ist kein kleines Feature-Update, sondern ein strategischer Schritt mit Signalwirkung. Sie stellt die bisherige Ordnung im Online-Schach infrage – nicht durch bessere Engines oder mehr Content, sondern durch ein anderes Modell:
Offene Infrastruktur trifft auf soziale Nutzererfahrung.
Ob daraus ein echter Herausforderer für Chess.com entsteht, hängt weniger von der Technologie ab als von der Fähigkeit, eine aktive Community aufzubauen. Klar ist jedoch: Der Wettbewerb im Online-Schach nimmt wieder Fahrt auf.







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